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Marktwirtschaft oder Monopolwirtschaft?


Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in Anbetracht der vielen Tarifstreiks 2025 von Verdi und Co. beschleichen mich gewissen Sorgen. Letztlich müssen alle diese Lohnerhöhungen bezahlt werden, entweder vom Steuerzahler oder vom Kunden, der Leistungen des Unternehmens bezieht (Bahn, Bus, Tram, BSR, Krankenhäuser etc.). Können sie nicht bezahlt werden, helfen nur Entlassungen - oder Schließung bzw. Insolvenz droht.

Im Gegensatz zum öffentlichen Dienst kann der selbständige Handwerker (Bäcker, Fleischer, Maler, Schlosser, Klempner oder Dachdecker) nicht streiken und eine Lohnerhöhung fordern. Im Gegenteil: Er wird zusätzlich finanziell belastet, wenn er keinen Monopolbetrieb besitzt. Er bezahlt die Zeche der Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst.

Im Staatsmonopol DDR entwickelte ich integrierte Schaltkreise. Da es jeden Hersteller eines Produkts im Staatsmonopol aus Gründen der Effizienz meist nur einmal gab, war es letztlich nicht möglich, einen Preis für ein bestimmtes Produkt festzulegen. Wieviel sollte mein Schaltkreis kosten? 30 Mark oder 30 Pfennige? Darüber ließ sich trefflich streiten. Es fehlte die regulierende Wirkung des Marktes.

Damals begriff ich: Wenn aufgrund eines monopolisierten Marktes nicht klar ermittelt werden kann, wie hoch Angebot und Nachfrage sind, ist eine reale Preisermittlung schlicht unmöglich.

Beherrscht z.B. ein Monopolbetrieb in einer Stadt den öffentlichen Nahverkehr, so bestimmt er den Preis der Fahrkarten anhand eigener Erwägungen. Bestünde hingegen ein Markt aus freien, selbständigen Busfahrern, so würden diese bemüht sein, durch den geringsten Fahrpreis Kunden anzulocken.

Innerhalb des Staatsmonopols DDR existierte kaum eine Konkurrenz, existierte damit auch kein Markt, der für die Preisbildung essentiell ist.

Letztlich scheiterte die DDR wohl genau an diesem Punkt. Sämtliche Preise waren seit den 50er Jahren "von oben" festgelegt. Vieles war zu gut gemeint und zu günstig, denken wir an Mieten, Grundnahrungsmittel, Bus und Bahn, Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren, Brot, Brötchen etc.. Laufende Kosten waren zu oft viel höher als die Einnahmen, der Staat subventionierte solche Produkte mit Geldern, die er den Gewinnen der VEB entnahm. Damit stagnierten Produktinnovationen. Auch kam mehr Geld in Umlauf, als Warendeckung vorhanden war.

Schleichend bildete sich ein Schwarzmarkt für alle Produkte aus, an denen Mangel herrschte. Man denke an PKW und PKW- Ersatzteile, Elektronik, Möbel, Wohnungen etc.. Der Schwarzmarkt - die Marktwirtschaft übernahm schleichend die Planwirtschaft. Ein nicht funktionierendes Staatsmonopol wurde ideologisch von innen ausgehöhlt.

Die Partei- und Staatsführung der DDR hatte dem nichts entgegenzusetzen. Befangen in ideologischen Dogmen schien das ZK der SED das Problem fehlender Marktwirtschaft nicht einmal zu bemerken.

Schauen wir uns die letzten 30 Jahre in Deutschland an, so bemerken wir eine unablässige Zentralisierung in allen Bereichen. Immer mehr Monopole entstehen, die marktbeherrschende Stellung besitzen. Schon Karl Marx sprach vom Staatsmonopol (Sozialismus) als Endstadium des (Monopol-) Kapitalismus.

Denken wir z.B. an große Supermarktketten, so bilden sich immer mehr Kartelle oder Quasi- Monopole aus, die den Preis angebotener Waren fast nach belieben bestimmen können und die auf der anderen Seite die am Markt eingekauften Produkte nach belieben in den Keller drücken können. Sowohl Kunden als auch Lieferanten leiden immer mehr darunter. So ist es kein Wunder, daß die Inflation in den letzten drei Jahren besonders in diesem Bereich besonders heftig durchschlug.

Nun erlebte Deutschland (besser die BRD) nach dem Krieg ein nie dagewesenes Wirtschaftswunder. Noch heute klingen einem die Worte von Ludwig Erhard in den Ohren, der nie davon ablassen konnte, für eine freie Marktwirtschaft zu predigen und (soziale) Marktwirtschaft für kleine und mittlere Unternehmen zu fördern. Der Mittelstand wurde zum Rückgrat der deutschen Industrie und des deutschen Wohlstands.

2025 undenkbar, war die BRD in den Jahren 1986, 1987, 1988, 1990, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007 und 2008 sogar Exportweltmeister. Lag Deutschland 2019 hinter China noch auf Platz 2, so liegt man nach Corona 2022 auf Platz 8 weit abgeschlagen hinter China, Rußland, Saudi-Arabien, VAR, Norwegen, Australien und Katar zurück (Wikipedia). Vorrangig Industrieautomation aus Deutschland half diesen Ländern, ihren Weg zu gehen.

Der heute in allen Industriezweigen zu beobachtende Weg schleichender Monopolisierung in Deutschland durch Vernichtung freier Märkte und Vernichtung des Klein- und Mittelstands durch ausufernde Bürokratisierung kann m.E. nur in einem kompletten Systemversagen enden. Es gibt keinen Ersatz für einen freien Markt. Das sollte auch eine Lehre aus dem Ende der DDR sein.

Aus dieser Sicht käme den Kartellämtern eine wachsende Bedeutung zu. Stattdessen hat man den Eindruck, sie existieren gar nicht mehr. Oligarchen können nach belieben Schalten und Walten und ihre Imperien vergrößern.

Auch wird der Import ausländischer Arbeitskräfte (Wirtschaftsflüchtlinge) bei paralleler Automation der Industrie zunehmend problematisch. Immer weniger Arbeitskraft wird für immer höhere Produktionszahlen gebraucht.

G. Heinz




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Created March 30, 2025
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